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Wettbewerbswidriges Abwerben von Mitarbeitern

Mittwoch, 30. Januar 2013 - 08:55 Uhr
Wettbewerbswidriges Abwerben von Mitarbeitern

Schadensersatz beim Abwerben von Mitarbeitern? Das Bundesarbeitsgericht (BAG) befasste sich im Urteil vom 26.09.2012 (Az. 10 AZR 370/10) mit einem Fernstrassenbaubetrieb, der gerne ein Unternehmen erworben hätte, das durch die Insolvenz der Muttergesellschaft in Probleme geriet. Als ein anderer Käufer erfolgreich war, warb man einfach innerhalb weniger Monate 57 Mitarbeiter ab. Dazu gehörten auch Führungskräfte. Die warben noch während der Kündigungsfrist ihre Kollegen ab. Damit nicht genug: Die Beteiligten brachten reiche Beute in Gestalt von Kalkulationen und Ausschreibungsunterlagen mit. Statt eines geplante Gewinns von rund 1 Mio. EUR gab es drastische Verluste von mehr als 80 Mio. Also klagte man gegen das abwerbende Unternehmen und forderte 65 Mio. Schadensersatz. Die Beklagte wandte ein, der Verlust sei auf andere Probleme zurückzuführen, nicht aber auf die Abwerbung. Die Gerichte stellten die Wettbewerbswidrigkeit des Handelns fest. Schadensersatz wurde aber verweigert, weil eine Schätzung nicht in Betracht komme, da zu wenig Tatsachen vorgetragen seien. Grundsätzlich kann ein Gericht tatsächlich den Schaden einfach schätzen. Er muss nicht im Detail nachgewiesen werden. Die Richter vermissten hier jedoch klare Anküpfungspunkte. Eine Schätzung würde dabei ohne Grundlage sein. Das sei so nicht möglich.
Hätte man hier also genauer vorgetragen, wie sich z.B. die Personalabwanderung auf die Ausschreibungen ausgewirkt haben, wäre die Klage eventuell erfolgreich gewesen, selbst wenn solche Verluste natürlich viele Ursachen haben können.