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SEPA-Lastschrift nur mit Unterschrift?

Die Single Euro Payments Area hält mehr und mehr Einzug. Bekannter ist die Abkürzung SEPA, die für den einheitlichen Überweisungsverkehr in Euro steht. Bis zum Februar 2014 dauert es nicht mehr lange. Dann laufen die alten Verfahren zur Einzugsermächtigung aus. Kontonummer und Bankleitzahl gehören der Vergangenheit an.
Dies betrifft nicht nur Überweisungen. Auch Einzugsermächtigungen folgen neuen Regeln.

Keine elektronische Lastschrift

Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Verband der Kreditinstitute, der sich mit der Umsetzung der neuen Regelungen beschäftigt, interpretiert die Rahmenbedingungen sehr eng. Man steht auf dem Standpunkt, dass Händler künftig von ihren Kunden eine schriftliche Mandatserteilung mit der eigenhändiger Unterschrift benötigen. Elektronische Identifikationen, etwa mit dem neuen Personalausweis, sollen nicht ausreichen.
Oft wurden in der Vergangenheit bis heute Einzugsermächtigungen telefonisch erteilt oder per Internet mit Checkbox erlaubt. Das ist aber keine Schriftform und damit sind solche Einwilligungen nicht SEPA-fähig.

13 Monate Widerspruchsfrist

Normalerweise hat der Kunde nach den neuen SEPA-Regelungen 8 Wochen Zeit, um einer Kontobelastung zu widersprechen. Bei nicht autorisierten Belastungen beträgt die Widerspruchsfrist aber 13 Monaten ab Kontobelastung.

Alte Einzugsermächtigungen für SEPA nutzen

Glücklich kann sich schätzen, wer schon bislang auf die schriftliche Erteilung einer Einzugsermächtigung gesetzt hat. Solche schriftlichen Einzugsermächtigungen lassen sich auch im neuen SEPA-Verfahren nutzen. Der Händler muss hier den Zahler allerdings vor dem ersten SEPA-Basislastschrifteneinzug über den Wechsel vom Einzug per Einzugsermächtigungslastschrift auf den Einzug per SEPA-Basislastschrift unter Angabe von Gläubiger-Identifikationsnummer (die erhält der Händler bei der Deutschen Bundesbank) und Mandatsreferenz (z.B. Kundennummer) in Textform (E-Mail, Fax, Brief) unterrichten.

Totengeläut für Einzugsermächtigung?

Wenn der Versandhandel tatsächlich nur noch auf schriftlich erteilte Einzugsermächtigungen bauen kann, wird dieses Verfahren sicherlich teurer und in vielen Fällen unpraktikabel. Viele vermuten, dass die Kreditinstitute das günstige Zahlverfahren nicht fördern wollen.

SEPA Begleitgesetz

Das Bundeskabinett hat am 25. April 2012 das SEPA-Begleitgesetz beschlossen. Dieses Gesetz bietet den Platz für neue Hoffnungen des Versandhandels. In den Regelungen sind Umstellungsvereinfachungen vorgesehen. Hier wird z.B. geregelt, dass der Bürger seine bekannte Kontonummer und Bankleitzahl bis zum 1. Februar 2016 noch weiter eingeben kann und die Daten lediglich im Hintergrund technisch umgestellt werden, bevor dann die IBAN (International Bank Account Number) das Gedächtnis auf die Probe stellt. Auch das Einzugsverfahren an der Ladenkasse mit EC-Karte wird hier noch bis 2016 verlängert.

Der Versandhandel hofft jetzt, dass hier im weiteren Gesetzgebungsverfahren über Lobbyarbeit auch Vereinfachungsregelungen Eingang finden, welche die Nutzung der alten Einzugsermächtigungen ermöglichen. Ansonsten tut man gut daran, möglichst viele schriftliche Mandatserteilungen einzusammeln; eine Aufgabe für das Marketing. (rb)

Stand 21.08.2012

Bildnachweis fotolia:
Rechnung © Dan Race #15189338

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